Top 10 Vogelbeobachtungs-Spots in Island
Island ist für Vogelbeobachter ein einzigartiges Ziel: Das vulkanische Land im Nordatlantik beherbergt massive Seevogelkolonien, arktische Brutvogelarten und eine der spektakulärsten Enten-Diversitäten der Welt. Von Mai bis August sind die Klippen und Küsten von Millionen von brütenden Seevögeln bevölkert; die Zugzeit bringt arktische Gäste aus noch nördlicheren Breiten.
1. Látrabjarg, Vestfirðir
Die Klippen von Látrabjarg im äußersten Westen Islands sind die größten Vogelfelsen Europas: 14 Kilometer Länge, bis zu 440 Meter Höhe. Millionen von Trottellummen (Uria aalge), Tordalken (Alca torda), Dickschnabellummen (Uria lomvia), Papageientauchern (Fratercula arctica) und Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla) brüten hier. Die Papageientaucher sitzen oft in Armlänge-Entfernung auf dem Klippenrand und zeigen keine Scheu.
2. Mývatn, Nordisland
Der Mývatn-See im nördlichen Island ist der artenreichste Brutgewässer-Standort Europas für Enten: 15 Entenarten brüten hier oder nutzen den See als Rastplatz — Barrows Goldeneye (Bucephala islandica), Moorente (Aythya nyroca), Pfeifente (Mareca penelope), Reiherente (Aythya fuligula), Krähentaucher (Melanitta nigra) und mehr. Der See entstand durch Lavafelder, die Buchten und Inseln bilden, die ideales Bruthabitat sind.
3. Vestmannaeyjar (Westmännerinseln)
Die Inseln südlich der isländischen Südküste beherbergen die größte Papageientaucher-Kolonie der Welt: schätzungsweise 8–10 Millionen Tiere brüten auf Heimaey und den unbewohnten Nachbarinseln. Im Sommer kommen Papageientaucher-Küken nachts in die Stadt Heimaey — ein einzigartiges Phänomen, bei dem Einwohner und Touristen Küken einsammeln und ins Meer tragen.
4. Snæfellsnes-Halbinsel, Westisland
Die dramatische Halbinsel unter dem Snæfellsjökull-Gletscher bietet Küstenbirding: Papageientaucher, Eiderente (Somateria mollissima), Silbermöwe (Larus argentatus) und Rotsterniger Taucher (Gavia stellata) als Brutvogel.
5. Jökulsárlón, Südisland
Die Gletscherlagune am Vatnajökull-Rand ist bekannt für arktische Seeschwalben (Sterna paradisaea) die neben den Eisbergen brüten. Arktische Eiderenten überwintern im Wasser bei der Brücke.
6. Hornstrandir Nature Reserve, Vestfirðir
Das menschenleere Naturreservat im äußersten Nordwesten bietet arktischen Fuchs und für Vogelbeobachter: Eider-Kolonien, Havhest (Eissturmvogel, Fulmarus glacialis) und See-Enten in unberührtester Umgebung.
7. Reykjanes-Halbinsel, Südwest
Die Halbinsel nahe Reykjavík ist ganzjährig zugänglich und bietet im Winter arktische Tauchenten: Eisente (Clangula hyemalis), Prachteiderente (Somateria spectabilis) und gelegentlich seltene Möwen wie Elfenbeinmöwe (Pagophila eburnea).
8. Þingvellir National Park
Der UNESCO-Welterbe-Nationalpark bietet Nebengewässer mit Angeln-Haubentaucher (Podiceps cristatus), Gänsesäger (Mergus merganser) und Echtung-Moorenten.
9. Breiðafjörður, Westisland
Die flache Bucht westlich von Stykkishólmur mit tausenden Inseln und Schären ist ein Hauptbrutgebiet der Weißwangen-Gans (Branta leucopsis) und von Stellerstorch (Polysticta stelleri) im Winter.
10. Skaftafell, Südisland
Der Nationalpark in der Skaftafell-Region bietet Bergpieper (Anthus spinoletta), Schneeammer (Plectrophenax nivalis) und Lapplandammer (Calcarius lapponicus) auf Gletschervorfeldern.
Island praktisch: Timing und Logistik
Island ist von Mai bis August am ornithologisch reichsten: Die Seevogelkolonien sind besetzt, Papageientaucher sitzen auf Klippenkanten und Enten brüten auf Mývatn. Juni und Juli sind die lichtstärksten Monate; die Mitternachtssonne ermöglicht 24-Stunden-Birding. Im Winter ist Island ornithologisch weniger spektakulär, aber Varanger-ähnliche arktische Wintergäste erscheinen gelegentlich. Der Mietwagen ist unerlässlich; das Ringstraßen-System macht die Hauptattraktionen erreichbar.
Fähren nach Látrabjarg und Vestmannaeyjar sind saisonal; die beste Buchungszeit ist mehrere Monate im Voraus. eBird-Hotspots für Island sind gut dokumentiert; die isländische Vogelschutzgesellschaft (Fuglavernd) veröffentlicht jährliche Berichte.
Papageientaucher: Der Vogel Islands
Der Papageientaucher (Fratercula arctica) ist der Nationalvogel Islands in der öffentlichen Wahrnehmung — obwohl er kein offizieller Nationalvogel ist. Die isländischen Brutkolonien umfassen nach Schätzungen über 8 Millionen Tiere; die Westmännerinseln allein beherbergen eine der größten Kolonien der Welt. Papageientaucher brüten in Erdhöhlen auf Kliffkanten; die charakteristischen orange-schwarzen Schnäbel erscheinen im Frühjahr kurz vor der Brutzeit in voller Farbpracht. In Heimaey auf den Westmännerinseln verlaufen sich jedes Jahr viele Papageientaucher-Küken, die vom Lichter der Stadt angezogen werden; eine lokale Tradition der Kinder ist das „Papafreisetzen" — Küken aufsammeln und ins Meer tragen. Dieser Aspekt der lokalen Naturverbindung macht Island zu einem einzigartigen Birding-Erlebnis.
Eiderente: Isländische Kulturgattung
Die Eiderente (Somateria mollissima) hat eine besondere Stellung in der isländischen Kultur und Wirtschaft: Jahrhundertelang wurde Eiderdaune aus den Nestern der brütenden Weibchen geerntet — eine der wenigen nachhaltigen, nicht-invasiven Wildtiernutzungen der Geschichte. Island ist heute noch der weltweit größte Produzent von echtem Eiderdaunen; die Daunenfarmer schützen die Kolonien aktiv gegen Füchse und andere Prädatoren, und die Enten gewöhnen sich so eng an den Menschen, dass manche Weibchen unmittelbar neben Bauernhäusern brüten. Das Ergebnis ist ein außergewöhnliches Birding-Erlebnis: Eiderenten-Weibchen, die in wenigen Metern Abstand auf dem Nest sitzen und sich kaum stören lassen. Die Männchen zeigen ihr charakteristisches schwarz-weißes Prachtgefieder mit dem hellgrünen Nackenschimmer von Februar bis Juni.
Ornithologisch ist die Eiderente auch für Vogelbeobachter bedeutsam: Island beherbergt einen erheblichen Teil der nordatlantischen Eiderenten-Population. Die besten Beobachtungsstandorte sind die Westfjorde (Vestfirðir), Breiðafjörður und die Küsten der Reykjanes-Halbinsel im Winter. Außerhalb der Brutzeit — September bis April — versammeln sich Tausende von Enten auf den flachen Küstengewässern, oft in Gesellschaft von Prachteiderenten (Somateria spectabilis), Samtenten (Melanitta fusca) und Eisenten (Clangula hyemalis). Der Vergleich der vier Meeresenten-Arten in Wintergruppen nahe Reykjavík ist eine der klassischen isländischen Birding-Übungen.
Zugvogelzug durch Island: Nicht nur Brutvögel
Island ist zwar vor allem für seine Seevogelkolonien bekannt, aber die Zugvogelzeit — April bis Mai im Frühjahr und August bis Oktober im Herbst — bringt unerwartet abwechslungsreiche Beobachtungen. Island liegt auf einem diagonalen Zugweg zwischen Nordamerika und Westeuropa: Nordamerikanische Irrgäste erscheinen regelmäßig im Herbst, wenn Stürme Arten über den Atlantik verfrachten. Die Arten, die auf den Westmännerinseln oder der Reykjanes-Halbinsel gemeldet werden, reichen von nordamerikanischen Möwen wie Sabine's Möwe (Xema sabini) über Limikolen wie Bufflehead-Enten bis zu unerwarteten Singvögeln. Das isländische Birding-Forum dokumentiert Seltenheitsnachweise; eBird-Hotspots für Reykjanes, Garðabær und Vestmannaeyjar sind besonders aktiv in der Herbstzugzeit.