Top 10 Vogelbeobachtungs-Spots in der Mongolei
Die Mongolei ist eines der unbekanntesten Birding-Ziele der Welt für europäische Vogelbeobachter — und ein Land, das in keinem Verhältnis zu seiner ornithologischen Bedeutung besucht wird. Das riesige, weitgehend unberührte Land bietet eine Vogelwelt der offenen Steppen, Gebirge, Feuchtgebiete und Wüstenlandschaften, die in Europa-Analogien nicht zu finden ist. Über 500 Vogelarten sind dokumentiert.
1. Khövsgöl-See (Hövsgöl), Norden
Der „Blaue Perle der Mongolei" — ein oligotropher Tiefseesee nahe der sibirischen Grenze — bietet Taucher (Gavia arctica, Gavia stellata), Orientalischer Blesshuhn (Fulica atra) und taigagebundene Singvögel wie Sibirisches Rubinkehlchen (Luscinia calliope) in den Uferwäldern aus Sibirischer Lärche (Larix sibirica).
2. Östliche Steppe (Dornod-Steppe)
Die endlose offene Steppe Ostmongoliens ist eines der letzten großen unberührten Steppengebiete der Welt. Für Vogelbeobachter: Demoiselle Crane (Grus virgo) in sehr großen Brutbeständen — die Mongolei hat den größten Demoiselle-Kranich-Bestand der Welt. Mongolian Lark (Melanocorypha mongolica), White-naped Crane (Grus vipio, VU) und Amur Falcon (Falco amurensis) auf dem Durchzug.
3. Gobi-Wüste: Yolin Am und Bayanzag
Die Gobi ist keine einheitliche Wüste, sondern ein Mosaik aus Felsschluchten, Saxaulwald und Sandwüste. Ornithologisch: Cinereous Vulture (Aegypius monachus, NT) in den Schluchten des Ikh Bogd-Gebirges, Mongolian Ground Jay (Podoces hendersoni), Kozlov's Pipit (Anthus godlewskii) und Henderson's Ground Jay als Gobi-Spezialisten.
4. Khustai Nuruu National Park
Der Park westlich von Ulaanbaatar schützt das Takhi (Przewalski-Pferd) Wiederansiedlungsprogramm und ist ornithologisch für Saker Falcon (Falco cherrug, EN) in Nestkästen auf Hochspannungsmasten — ein skurriler aber effektiver Schutzansatz — sowie für Steppenvögel: Upland Buzzard (Buteo hemilasius) und Black Kite (Milvus migrans).
5. Ugii Lake, Arkhangai
Der Ugii-See in der Zentralmongolei ist ein wichtiger Zugvogel-Rastplatz: Im Frühjahr und Herbst konzentrieren sich hier Bar-headed Geese (Anser indicus), Demoiselle Cranes und Watvögel. Ruddy Shelduck (Tadorna ferruginea) brütet in Erdfurchen an den Ufern.
6. Hustai und Orkhon-Tal
Das Orkhon-Tal UNESCO-Welterbe ist ornithologisch für Savannah-Typen: Black-headed Bunting (Emberiza melanocephala) am westlichen Rand und Altai Accentor (Prunella himalayana) in den Gebirgszonen.
7. Gorkhi-Terelj National Park
Nahe Ulaanbaatar gelegen, ist Terelj für Tagesausflüge zugänglich. Cinereous Vulture (Aegypius monachus, NT) brütet in den Felsschluchten; Long-legged Buzzard (Buteo rufinus) und Common Kestrel (Falco tinnunculus) jagen über der Steppe.
8. Mongolian Altai, Bayan-Ölgii
Das westliche Altai-Gebirge ist Heimat von Altai Snowcock (Tetraogallus altaicus), Lammergeier (Gypaetus barbatus, NT) und Ibisbill (Ibidorhyncha struthersii) an Hochgebirgsflüssen.
9. Khar Us Nuur, Khovd
Das Feuchtgebiet-Schutzgebiet Khar Us Nuur im westlichen Mongolia ist ein wichtiges Wasservogel-Brutgebiet: Dalmatian Pelican (Pelecanus crispus, NT) brütet hier, außerdem relict-Populationen von Marsh Sandpiper (Tringa stagnatilis) und White-tailed Eagle (Haliaeetus albicilla).
10. Sharga und Great Gobi Reserve
Das Sharga Nature Reserve im Grenzbereich zum Chinesischen Alaschan-Gebirge beherbergt Saxaul Sparrow (Passer ammodendri) und Mongolian Desert Warbler (Curruca mongolica) in reiner Wüstenvegetation.
Mongolei praktisch: Timing und Logistik
Die Mongolei ist nur in einem kurzen Birding-Fenster optimal: Juni bis August, wenn die Steppe grün ist, Zugvögel brüten und die Temperaturen erträglich sind. Im Winter sinken Temperaturen auf -40°C; im April/Mai und September/Oktober sind Übergangssaisons mit Zugbewegungen. Ulaanbaatar ist der einzige internationale Flughafen; Inlandsflüge erreichen Ölgii (Westmongolei), Mörön (Norden) und Choibalsan (Osten).
Mietwagen mit erfahrenem Fahrer-Guide ist für die meisten Birding-Gebiete Pflicht — öffentliche Verkehrsmittel erschließen die abgelegenen Regionen nicht. Das Tourismus-Netz aus Ger-Camps (traditionelle Jurten-Unterkünfte) ist gut entwickelt für die bekannteren Gebiete (Terelj, Khövsgöl, Gobi-Süd). Mongolian Ornithological Society (MOS) ist die nationale Organisation; eBird-Hotspots für Khövsgöl und Dornod-Steppe sind moderat aktiv.
Demoiselle Crane: Die häufigste Kranichsart der Welt
Die Mongolei hat den größten Brutbestand der Jungfernkraniche (Grus virgo, Demoiselle Crane) der Welt: Schätzungen gehen von 90.000–100.000 Individuen aus, die auf der mongolischen Steppe brüten. Der Jungfernkranich ist kleiner als der Graukranich (Grus grus), hat keine rote Kappe, aber verlängerte weiße Ohrfedern hinter dem Auge und schwarze Hals-Brustfedern — eine auffällige, zierliche Silhouette.
Im August und September sammeln sich Jungfernkraniche in der östlichen Steppe zu Zugtrupps von Tausenden. Die Migrationsroute führt über den Himalaya — mit einem der extremsten Vogelzugsüberflüge der Welt. Die Vögel überqueren Pässe auf über 5.000 Meter Höhe und stürzen gelegentlich durch Erschöpfung in die Gletscherspalten. Für Vogelbeobachter in der Dornod-Steppe im August sind die endlosen Steppenhorizonte mit gelegentlichen Jungfernkranich-Trupps ein überwältigendes ornithologisches Bild.