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Der Kakapo: Der Kampf um das Überleben des seltensten Papageis der Welt

Der Kakapo (Strigops habroptila) ist einer der absurdesten und faszinierendsten Vögel der Erde: Er ist der schwerste aller Papageien (bis 4 kg), er ist vollständig flugunfähig, er ist nachtaktiv, er riecht intensiv nach Blumenhonig und Muskat, und er reproduziert sich nur in Jahren, in denen bestimmte Bäume massiv fruchten. Mit einer Weltpopulation von unter 250 Individuen ist er gleichzeitig der seltenste Papagei der Welt — und dank einem der aufwändigsten Artenschutzprogramme der Welt lebt er noch.

Biologie und Anpassungen

Der Kakapo ist das Produkt einer Insel-Evolutionsgeschichte ohne terrestrische Säugetiere-Feinde. In Abwesenheit von Säugetier-Prädatoren verlor er über Millionen von Jahren die Flugfähigkeit — Fliegen kostet Energie, und ohne den evolutionären Druck von Fressfeinden wurde Flugunfähigkeit kein Nachteil. Das gefiederte Tarnmuster — moosgrünes, getüpfeltes Gefieder — ist Tarnung gegenüber Luftraubtieren wie dem Haast-Adler (Harpagornis moorei, ausgestorben), dem einzigen bedeutenden Prädator der prähistorischen Kakapo-Ökologie.

Die Reproduktionsstrategie ist einzigartig unter Papageien: Kakapos brüten nicht alljährlich. Die Brutbereitschaft ist an das Massenfruchten von Rimu-Bäumen (Dacrydium cupressinum) geknüpft — ein phänomenales Massenangebot, das alle 2–4 Jahre vorkommt. In diesen Jahren brüten Weibchen; in anderen Jahren finden keine Bruten statt. Das System evolved als Reaktion auf eine Umwelt mit unzuverlässigen, aber gelegentlich massiven Nahrungsressourcen.

Männliche Kakapos versammeln sich an Lek-Plätzen — erhöhten Stellen in der Vegetation — und produzieren im Rhythmus von Stunden ein tiefes Boom-Brummen (bis 130 dB auf kurze Distanz), das durch Luftsäcke in der Brust erzeugt wird und über Kilometer transportiert wird.

Der Zusammenbruch und die Inseln

Die Ankunft von Māori auf Neuseeland (ca. 700 Jahre vor heute) und dann von Europäern brachte Ratten, Hermeline (Mustela erminea) und Katzen. Für Kakapos — langsam, erdgebunden, nachtaktiv und nicht auf Feinde spezialisiert — waren diese Prädatoren katastrophal. Innerhalb weniger Generationen war die Population, die einst ganz Neuseeland bedeckt hatte, auf Restpopulationen in abgelegenen Gebirgen geschrumpft.

Bis in die 1970er Jahre war die verbleibende Population auf Fiordland und Stewart Island/Rakiura beschränkt. Eine Entdeckung auf Codfish Island/Whenua Hou in den 1970ern — eine Population von etwa 200 Tieren — gab dem Programm eine neue Grundlage. Intensive Prädationskontrolle auf Inseln, die frei von eingeschleppten Säugetieren gehalten werden (Codfish, Anchor Island, Little Barrier Island/Hauturu), ist die Basis des aktuellen Schutzprogramms.

Das Kakapo Recovery Programme

Das Kakapo Recovery Programme des New Zealand Department of Conservation (DOC) ist eines der personalintensivsten Artenschutzprogramme der Welt. Jedes Individuum hat einen Namen, eine Biografie, ein Gewichts-Monitoring und wird von einem Team von Volunteer-Rangern auf der Insel betreut.

In Mastjahren werden Weibchen mit Supplemental-Fütterung (Puffed wheat, Pellets) unterstützt; Nester werden mit Bewegungsmeldern ausgestattet und täglich kontrolliert; Küken werden gewogen und gegebenenfalls kurzzeitig zugefüttert. Genetisches Management stellt sicher, dass die wenigen verbliebenen Blutlinien möglichst breit vertreten sind.

Die Population ist von einem Tiefstand von 51 Individuen (1995) auf aktuell über 240 gewachsen. Ein Mastertjahr 2019 produzierte 76 Küken — der größte Bruterfolg in der Geschichte des Programms.

IUCN-Status

Critically Endangered (CR). Die Art gilt als eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Vogelarten der Welt. Der Positivtrend der Population ist ausschließlich auf das aktive Schutzprogramm zurückzuführen — ohne die Inseln und das Monitoring würde die Art innerhalb weniger Jahrzehnte aussterben.

Genetisches Management und Zukunftsperspektiven

Eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen des Kakapo-Programms ist das genetische Management: Bei unter 250 Individuen sind alle Tiere miteinander verwandt; die genetische Diversität ist gering. Das Programm versucht, die verbleibenden Blutlinien möglichst gleichmäßig zu verteilen — mit natürlichen Paarungen und gelegentlicher künstlicher Befruchtung, um genetisch unterrepräsentierte Tiere fortzupflanzen.

Das Kakapo Recovery Programme unterhält tiefgefrorene Samenproben und Zellkulturen als genetisches Sicherungslager. Die Möglichkeiten der synthetischen Biologie — Wiederherstellung von genetischer Diversität durch Genomeditierung — sind eine langfristige Forschungsrichtung, aber für die praktische Kakapo-Arbeit noch keine realistische Option.

Kakapo in der Kultur und Öffentlichkeit

Der Kakapo ist durch Stephen Fry und Mark Carwardine's BBC-Buch „Last Chance to See" (1990, aktualisiert 2009) und durch das virale Video von einer Paarungsversuch des Kakapo-Männchens „Sirocco" mit dem BBC-Kameramann Mark Carwardine einer der international bekanntesten Schutzvogelarten geworden. Diese Bekanntheit hat reale Auswirkungen auf Spendenaufkommen und politische Unterstützung.

Das Kakapo Recovery Programme nimmt öffentliche Spenden an; mehrere Tausend Dollar aus aller Welt fließen jährlich in das Programm. Für Vogelbeobachter ohne Neuseeland-Reisemöglichkeit ist eine Spende an das Programm eine direkte Verbindung zu einem der bemerkenswertesten Vogelschutz-Erfolge unserer Zeit.

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