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BirdLife International: Das globale Netzwerk für Vogelschutz

BirdLife International ist die weltweit größte auf Vögel spezialisierte Naturschutzorganisation — aber anders aufgebaut als die meisten globalen NGOs. Statt einer zentralisierten Bürokratie ist BirdLife eine Partnerschaft von über 120 nationalen Mitgliedsorganisationen, die unter dem BirdLife-Dach zusammenarbeiten, aber je eigene Strukturen, Mitgliedschaften und nationale Mandate haben. In Deutschland ist der NABU (Naturschutzbund Deutschland) der BirdLife-Partner; in Österreich BirdLife Österreich; in der Schweiz die Schweizerische Vogelwarte Sempach.

Geschichte und Struktur

BirdLife International entstand 1993 aus der Umbenennung des International Council for Bird Preservation (ICBP), das 1922 gegründet worden war. Die Partnerschaftsstruktur wurde in den 1990er Jahren konsolidiert, als klar wurde, dass lokale Glaubwürdigkeit — nationale Organisationen mit heimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern — für effektiven Vogelschutz unerlässlich ist.

Das globale Sekretariat in Cambridge koordiniert die internationale Agenda, führt die IUCN-Roten Listen für Vogelarten durch und verwaltet die Datenbanken zu Important Bird and Biodiversity Areas (IBAs). Die Weltregionalbüros in Afrika, Amerika, Asien-Pazifik, Europa und dem Nahen Osten arbeiten mit den nationalen Partnern zusammen.

Important Bird and Biodiversity Areas

Das IBA-Programm ist eines von BirdLifes bedeutendsten wissenschaftlichen Beiträgen. Eine IBA ist ein Gebiet, das nach standardisierten Kriterien als international bedeutsam für Vogelpopulationen eingestuft wird: ein Gebiet, das regelmäßig bestimmte Mindestanteile einer Weltpopulation bedrohter Arten oder migrierender Arten beherbergt. Weltweit sind über 13.000 IBAs identifiziert und dokumentiert — sie bilden das wissenschaftliche Fundament für Schutzgebiets-Anträge und politische Forderungen.

Viele der bedeutendsten Vogelbeobachtungsgebiete der Welt sind IBAs: der Hula-Tal in Israel, das Wattenmeer, die Camargue, das Donaudelta. Die IBA-Statusbewertungen werden regelmäßig aktualisiert; Verschlechterungen — durch Drainage, Bebauung, invasive Arten — werden dokumentiert und kommuniziert.

Rote Liste und Artenschutz-Programme

BirdLife International ist der offizielle IUCN-Rote-Liste-Sachverständige für Vögel weltweit. Das bedeutet: für jede der rund 11.000 bekannten Vogelarten bewertet BirdLife den Erhaltungszustand nach IUCN-Kriterien (Bestandstrend, Populationsgröße, Lebensraumverlust) und stuft sie ein als Least Concern, Near Threatened, Vulnerable (VU), Endangered (EN), Critically Endangered (CR) oder Extinct in the Wild (EW). Diese Einstufungen bilden die Grundlage für Schutzprioritäten weltweit.

Artenschutz-Programme richten sich auf die am stärksten bedrohten Arten: Die Spoon-billed Sandpiper Task Force arbeitet am Erhalt des Löffelstrandläufers (Calidris pygmaea, CR); das Albatross Task Force bekämpft Beifang auf Langleinenfischerei-Schiffen; das Forest of Hope-Programm schützt tropische Waldgebiete in Indonesien und Papua-Neuguinea.

Preventing Extinctions Programme

Das Preventing Extinctions Programme (PEP) richtet sich auf die Critically Endangered-Arten — jene, die am schnellsten auf Aussterben zusteuern. Für jede CR-Art wird wenn möglich ein Species Champion ernannt: ein Unternehmen oder eine Institution, das Schutzmaßnahmen finanziert. Für den Kakapo (Strigops habroptila) in Neuseeland ist das neuseeländische Department of Conservation der Champion; für den Spix-Ara (Cyanopsitta spixii) übernehmen brasilianische Institutionen die Rolle.

Politische Arbeit

BirdLife ist auch politisch aktiv: Lobbying bei der Ramsar-Konvention (Feuchtgebiete), der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) und im EU-Gesetzgebungsprozess (Vogelschutzrichtlinie, Natura 2000). Die jährlichen Berichte zur Lage der Europäischen Vögel — State of Europe's Common Birds — werden in Zusammenarbeit mit dem Pan-European Common Bird Monitoring Scheme produziert und zeigen die langfristigen Bestandstrends für über 160 häufige Vogelarten.

Diese Berichte sind die wichtigste öffentlich verfügbare Zusammenfassung des Zustands der europäischen Vogelwelt und liefern die Zahlen hinter Schlagzeilen wie „ein Drittel der europäischen Farmland-Vögel in 30 Jahren verloren".

Partizipation für Vogelbeobachter

Die nationalen BirdLife-Partner — NABU in Deutschland, RSPB in Großbritannien, SEO/BirdLife in Spanien, LPO in Frankreich — bieten Mitgliedschaften mit Zeitschriften, Exkursionen und Mitglieder-Workshops. Für engagierte Vogelbeobachter ist eine Mitgliedschaft gleichzeitig finanzieller Beitrag zum Schutz und Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Berichten.

IBA-Monitoring durch Freiwillige ist ein wichtiger Beitrag: In vielen Ländern werden IBAs durch ehrenamtliche Ornithophotographen und Zähler überwacht. In Deutschland koordiniert der DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten) die Erfassungen; in Großbritannien tut das die BTO (British Trust for Ornithology) mit dem BBS (Breeding Bird Survey). Diese Programme brauchen Feldmitarbeiter, und Vogelbeobachter mit soliden Bestimmungskenntnissen sind willkommen.

IBAs und rechtlicher Schutz

Eine IBA-Listung ist keine automatische rechtliche Schutzweisung. Sie ist ein wissenschaftliches Argument, das in politische Entscheidungen eingebracht werden muss. In Europa gibt es den Anspruch, dass alle IBAs als Vogelschutzgebiete im Rahmen von Natura 2000 ausgewiesen werden — ein Prozess, der in vielen Ländern noch nicht vollständig umgesetzt ist. BirdLife-Partner überwachen den Status der IBAs und klagen gegebenenfalls bei Versäumnissen des Staates.

In der Praxis hat die IBA-Listung erheblichen Einfluss: Sie wird in Umweltverträglichkeitsprüfungen zitiert, in Medienberichten bei Konflikten zwischen Naturschutz und Entwicklungsprojekten herangezogen, und durch ihre internationale Vergleichbarkeit in globalen Biodiversitäts-Berichten erwähnt. Das IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) nutzt IBA-Daten als einen der Indikatoren für den Zustand der Biodiversität.

Alle auf einen Blick

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